Die Sendungsverfolgungsseite sieht echt aus, aber das Paket verlässt das Ursprungsland nie — wie beweise ich, dass der Verkäufer eine falsche Sendungsnummer verwendet?

Betrugsmuster jenseits von Liefer-SMS

Meist können Sie „falsches Tracking“ nicht allein über die Marketplace-Seite beweisen. Was Sie beweisen können, ist, dass die Nummer nicht zu einem Paket gehört, das das Ursprungsland tatsächlich verlassen hat, oder dass der Carrier sie keiner echten Sendung zuordnen kann.

Beginnen Sie damit, die Sendungsverfolgung sorgfältig zu dokumentieren, bevor sie sich ändert:

  • Speichern Sie Screenshots der vollständigen Tracking-Historie, nicht nur des neuesten Status.
  • Fügen Sie die Sendungsnummer, die Bestellnummer, die Daten und, falls sichtbar, die Seiten-URL hinzu.
  • Halten Sie fest, dass das Paket nie einen Export-Scan, Übergabe-Scan oder einen Status wie „unterwegs zum Zielort“ erreicht.
  • Wenn sich der Verlauf tagelang wiederholt oder in einer Weise springt, die kopiert wirkt, speichern Sie auch das.

Prüfen Sie die Nummer dann auf der eigenen Website des Carriers und nicht nur auf der Seite des Verkäufers. Eine scheinbar gefälschte Tracking-Seite kann trotzdem einen echten Carrier-Namen anzeigen. Entscheidend ist also, ob der tatsächliche Carrier die Nummer erkennt und irgendeinen echten Scan-Verlauf anzeigt.

Wenn die Website des Carriers sagt, die Nummer sei ungültig, nicht gefunden oder nicht zugeordnet, speichern Sie dieses Ergebnis sofort. Das ist ein starkes Indiz dafür, dass der Verkäufer eine falsche Nummer verwendet hat oder eine Nummer, die nie mit Ihrem Paket verknüpft war.

Wenn der Carrier die Nummer erkennt, aber nur einen Annahmescan im Ursprungsland anzeigt, bitten Sie den Carrier um eine schriftliche Bestätigung von:

  • dem Datum des ersten Scans,
  • ob das Paket jemals an das Netzwerk übergeben wurde,
  • ob es einen Export- oder Abgangsscan gibt,
  • und ob das Paket das Ursprungsland verlassen hat.

Diese schriftliche Antwort ist wichtig, weil sie zwischen „nur Etikett erstellt“ und „Paket angenommen, aber nicht weiter versendet“ unterscheidet.

Senden Sie die Beweise dann an den Verkäufer und, wenn Sie über eine Plattform gekauft haben, auch an den Marketplace. Bitten Sie um einen Zustellnachweis oder eine Rückerstattung und fügen Sie die Sendungsnummer, die Bestellnummer, Screenshots und die schriftliche Antwort des Carriers bei. Wenn der Verkäufer behauptet, geliefert worden zu sein, verlangen Sie einen Nachweis, der zu Ihrer Bestellung passt, zum Beispiel einen Carrier-Eintrag, der die Zustellung an Ihre Adresse zeigt, oder eine Paketkennung, die überprüft werden kann.

Wenn Sie per Karte oder mit einer anderen Zahlungsmethode mit Streitfallverfahren bezahlt haben, verwenden Sie dieselben Beweise auch dort. Entscheidend ist dabei nicht, Betrug im rechtlichen Sinn zu beweisen, sondern zu zeigen, dass das Tracking des Verkäufers keine Zustellung belegt. Bewahren Sie die Bestellbestätigung, den Zahlungsbeleg, die Nachrichten des Verkäufers und alle Tracking-Screenshots in einer Datei auf. Prüfen Sie jetzt die Frist Ihrer Bank oder Ihres Zahlungsanbieters für einen Streitfall, denn die Zeitgrenze hängt vom Anbieter und von der Zahlungsart ab.

Wenn der Marketplace oder die Bank fragt, warum Sie glauben, dass das Tracking gefälscht ist, halten Sie die Antwort einfach:

  • die Nummer existiert im System des Carriers nicht, oder
  • sie existiert, verlässt aber nie das Ursprungsland, und es gibt keinen Export-/Abgangsscan, oder
  • der Verkäufer kann keinen carrier-gestützten Zustellnachweis vorlegen.

Praktischer Tipp: Machen Sie am selben Tag einen Screenshot des Suchergebnisses beim Carrier und einen der Tracking-Seite des Verkäufers, damit Sie zeigen können, dass die „echt aussehende“ Seite nicht mit dem eigenen Datensatz des Carriers übereinstimmt.